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Die
Burg im Reitgaar
Als
ich am Himmelfahrtstag morgens am Reitgaar war, hörte ich die
Glocken. Plötzlich fasste mich jemand an. Als ich mich umdrehte,
stand der Geist des Raubritters hinter mir und sprach: „Erschrecke
dich nicht. Gleich kommen die Geister der Gefangenen: Die werden
dich mitnehmen, weil ich dich jetzt entführt habe. Du kannst nicht
mehr fliehen, denn sie haben dich schon umzingelt.“ Der Raubritter
lachte schmutzig: „Hahaha! Hihihi! Hohoho!“ Ich bin in Ohnmacht
gefallen.
Als
ich wieder aufwachte, sah ich ein freundliches Gesicht. Es war das
Gesicht der Tochter vom Raubritter und sie sprach: „Die Gefangenen
wollten dich nicht umzingeln, doch mein Vater besitzt eine
Zauberflöte. Wenn Leute fünf Wochen in seinem Kerker sitzen, kann
er sie mit seiner Zauberflöte verzaubern.“
„ Das ist ja schrecklich“, sagte ich. Ich wollte auf
keinen Fall von der Zauberflöte verzaubert werden.
Als
ich mich im Keller des Turmes umsah, erblickte ich die Knochen der
Gefangenen. Mir lief es kalt über den Rücken. Zum Glück hatte die
Tochter des Raubritters eine Wolldecke, Essen und Trinken da
gelassen. Ich war sehr hungrig, weil ich ja seit dem Frühstück
nichts mehr gegessen hatte. „Oleh, oleh oleh, oleh“,
hörte ich den Raubritter singen. Da sah ich einen Ring und
der lag auf einem Zettel,
auf dem stand: „Hallo, ich möchte dir noch ein Andenken da
lassen, denn ich kann nicht mehr kommen, weil mein Vater entdeckt
hat, dass ich dich besuche.“ Als ich den Brief gelesen hatte, war
ich traurig. Aber ich freute mich über den Ring. Ich steckte ihn
auf den Finger. Dann schlief ich ein.
Als
ich wieder aufwachte, lag ich am Ufer des Reitgaar. Ich überlegte,
warum ich denn jetzt so plötzlich hier war. Ich guckte mich um, ob
vielleicht der Raubritter in der Nähe war. Als ich ihn nicht sah,
stand ich auf. Der Ring steckte noch immer an meiner Hand.
Ob
ich wirklich in der Burg gefangen war, weiß ich bis heute noch
nicht. Den Ring der Raubrittertochter aber habe ich aufbewahrt. Er
liegt noch heute in meinem Nachttischchen.
Miriam
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